Engagement-Dialogreise Brasilien

Dr. Richard Böger und Tommy Piemonte zu Engagement-Dialogen in Brasilien

Zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes und der indigenen Bevölkerung

Tag 2 - Generalsekretariat des Präsidenten und fünf Ministerien (3/9)

Wir halten die bisher von der Regierung Lula da Silva eingeleiteten Maßnahmen zur Bekämpfung der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes und zur Stärkung der Rechte der indigenen und traditionellen Bevölkerung für sehr wichtig. Sie zeigen in vielen Bereichen bereits erste Erfolge. Auch wurden entscheidende Schritte unternommen, um den illegalen Goldabbau einzudämmen. So sind mit der Abschaffung des sogenannten „Good-Faith-Principles“, das dem Goldkäufer erlaubt hat, Gold ohne weitere Nachweise als aus einem legalen Herkunftsgebiet stammend anzusehen sowie der Einführung elektronischer Quittungen im Goldhandel erste Maßnahmen getroffen worden, um eine Rückverfolgbarkeit von Gold zu ermöglichen. Darüber hinaus bringt die verstärkte Durchführung von Razzien gegen illegale Goldschürfer seit 2023 den Willen der aktuellen Regierung zum Ausdruck, den illegalen Goldabbau zu bekämpfen. Trotz der Maßnahmen sehen wir weiterhin dringenden Handlungsbedarf bei der Bekämpfung des illegalen Goldabbaus im Speziellen und bei der Bewältigung der negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen des Goldabbaus im Allgemeinen.

Um den illegalen Goldabbau zu erschweren und leichter ahnden zu können, ist ein Rückverfolgbarkeitssystem für Gold ein entscheidender Baustein. Wenngleich die Rückverfolgung von Gold ab der Förderung und während des Handels eine große Herausforderung darstellt, können die Blockchain-Technologie, die molekulare Kennzeichnung und das sogenannte Fingerprinting von Gold wichtige Hilfestellungen bieten. Dabei ermöglicht die Blockchain die digitale Überwachung der Produktionsketten, vom Goldabbau bis zum Endabnehmer. Eine solche Blockchain könnte auch alle Bergbaulizenzen und Umweltdokumente für den Goldabbau enthalten und so eine Überwachung ermöglichen. Dagegen wird bei einer molekularen Kennzeichnung (engl.: molecular tagging) mit Silberisotopen das Gold markiert, bevor es das Abbaugebiet verlässt. So wird erkennbar, ob das Gold von unbefugten Dritten weiterverarbeitet oder mit illegalem Gold vermischt wird. Beim Gold-Fingerprinting hingegen wird das Gold anhand seiner chemischen Zusammensetzung analysiert und mit derjenigen des angegebenen Abbaugebietes abgeglichen. Es kann auf diese Weise eindeutig dem tatsächlichen Abbaugebiet und der Mine zugeordnet werden.

Deshalb lauten zwei unserer Engagement-Forderungen an die Regierung und das Parlament Brasiliens:

  1. Verabschiedung geeigneter Gesetze zur Einführung eines wirksamen Rückverfolgungs- und Überwachungssystems für Gold.
  2. Um das Gold-Fingerprinting anwendbar zu machen, muss eine wissenschaftliche Datenerhebung über die chemische Zusammensetzung aller potenziellen Regionen und Minen, aus denen Gold stammen könnte, durchgeführt werden. Nach dem Vorbild Südafrikas sollten Rechtsvorschriften erlassen werden, die die Einrichtung und Pflege solcher Datenbanken vorschreiben.
Vertretern:innen des Generalsekretariats des Präsidenten sowie von fünf Ministerien nach dem Engagement-Dialog im Regierungssitz, Palácio do Planalto.

Ab dem zweiten Tag unserer Engagement-Dialogreise hat uns Bischof Vicente Ferreira, Präsident der Spezialkommission für integrale Ökologie und Bergbau der brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) und Igor Bastos vom katholischen internationalen Klimanetzwerk Laudato SI‘ Movement (LSM) bei unseren Gesprächen begleitet. Beide sind Partner der Engagement-Aktivität unserer bisherigen katholischen Investoren-Allianz.

Der zweite Tag unserer Engagement-Dialogreise begann in der Hauptstadt Brasilia im Regierungssitz, dem Palácio do Planalto. Hier hatten wir eine Sitzung mit Vertretern:innen des Generalsekretariats des Präsidenten sowie von fünf Ministerien, unter anderem dem Finanzministerium und dem Ministerium für Menschenrechte. In dem sehr konstruktiven und intensiven Austausch konnten wir nicht nur unsere Engagement-Forderungen diskutieren, sondern auch einen vielfältigen Überblick über die bereits gestarteten oder geplanten Maßnahmen der Regierung gewinnen. Spannend war es, die Perspektiven der verschiedenen Ministerien, auf die sich aus dem Goldabbau ergebenen Herausforderungen, beispielsweise für die traditionelle Bevölkerung und die Bevölkerungsgruppe der Quilombolas, zu diskutieren.

Insgesamt haben wir unser Engagement-Anliegen während des gesamten Dialoges bestätigt gefunden, indem mit einer sehr hohen Aufmerksamkeit über die Thematik und unsere Engagement-Forderungen diskutiert wurde. Mit dieser Sitzung haben wir für zukünftige Dialoge direkte Zugangswege geschaffen, was für die Effizienz unserer Engagement-Aktivität wertvoll ist. Darüber hinaus ist bereits ein Austausch mit der Staatssekretärin des Ministeriums für Menschenrechte in Planung sowie eine Teilnahme an einer vom Generalsekretariat organisierten Stakeholder-Dialogveranstaltung zum Thema Goldabbau im Amazonas. Erfreulich ist auch die Zusage, dass unsere formulierten Engagement-Forderungen von den Vertretern:innen in die Ministerien hineingetragen werden.

Tag 1 - Brasilianische Entwicklungsbank BNDES (2/9)

Brasilien ist der zweitgrößte Verursacher globaler Entwaldung durch Bergbau. So wurden zwischen 2001 und 2020 12 % der weltweiten Entwaldung durch Bergbau in Brasilien verursacht. Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren bis 2023 sogar noch weiter beschleunigt. Hauptgrund hierfür ist die Ausweitung des handwerklichen Kleinbergbaus (artisanal and small-scale mining - ASM) bzw. des Kleingoldbergbaus, der in Brasilien Garimpagem genannt wird. Er spielt insbesondere im Amazonasregenwald eine zentrale Rolle. Infolgedessen ist der Anteil des Bergbaus an der gesamten Entwaldungsrate in den indigenen Gebieten von 4 % im Jahr 2017 auf 23 % bis Mitte 2020 gestiegen. Nach Expertenschätzungen aus dem Jahr 2021 arbeiten allein in der brasilianischen Region Tapajós mehr als 60.000 Goldschürfer und betreiben dort bis zu 1.000 Flugzeuglandebahnen. Insgesamt ist die für ASM genutzte Abbaufläche im Amazonasgebiet inzwischen größer als die Fläche des industriellen Bergbaus in ganz Brasilien.

Es gestaltet sich jedoch schwierig, sowohl soziale Härten als auch den Rückgang des illegalen und oftmals unter sklavenähnlichen Zuständen stattfindenden Kleinbergbaus zu verhindern, wenn nicht alternative Einkommensquellen für die im Kleingoldbergbau tätigen Menschen geschaffen werden. Zudem müssen die verbleibenden Goldschürfer finanziell unterstützt und geschult werden. Nur so können sie ihre Tätigkeit mit deutlich höheren Umwelt- und Sozialstandards ausüben und sich Initiativen wie Swiss Better Gold, Fairtrade Gold, Fairmined etc. mit ihren höheren Qualitätsstandards anschließen.

Zwei unserer aufgestellten Engagement-Forderungen lauten daher:

  1. Schaffung von alternativen Einkommensmöglichkeiten für Kleinschürfer.
  2. Schulungen sowie finanzielle Förderung zur Erhöhung der ökologischen und sozialen Verträglichkeit des Goldabbaus.

In unserem ersten Engagement-Gespräch auf unserer Engagement-Dialogreise in Brasilien haben wir uns am 26. Februar mit Vertretern der brasilianischen Entwicklungsbank (Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social - BNDES) getroffen. Die BNDES mit Sitz in Rio de Janeiro ist eine der größten Entwicklungsbanken der Welt, die neben ihren vielfältigen Aufgaben auch für die Verwaltung des Amazonasfonds verantwortlich ist. Der durch internationale spendenfinanzierte Amazonasfonds, setzt seine 1,3 Mrd. US Dollar für Projekte ein, die der Verhinderung weiterer Entwaldung sowie der Förderung des Erhalts und der nachhaltigen Nutzung des Amazonasgebietes dienen. Der Lenkungsausschuss des Amazonasfonds setzt sich dabei aus Vertretern der brasilianischen Regierung und Zivilgesellschaft zusammen.

Bei unserem Engagement-Dialog mit der Abteilungsleiterin des Amazonasfonds-Managements und dem Manager für institutionelle Beziehungen des Amazonasfonds haben wir Einblicke in die praktische Umsetzung der wichtigen Aufgaben des Amazonasfonds erhalten. Im selben Zuge konnten wir als katholische Kirchenbank aus Deutschland die Perspektive internationaler Investoren auf den erforderlichen Schutz des Amazonasregenwaldes und der rechte indigener und traditioneller Völker einbringen. Besonderen Raum hat dabei sowohl die Diskussion über die Notwendigkeit von Projekten zur Schaffung von alternativen Einkommensquellen für die im Kleingoldbergbau tätigen Menschen als auch die Rückverfolgbarkeit von Gold zur Erschwerung des illegalen Goldbergbaus eingenommen. Für uns erfreulich war zu erfahren, dass solche Projekte grundsätzlich vom Amazonasfonds unterstützt werden können.

Von links: Rodrigo Garcia Ramos Tosta (Manager für institutionelle Beziehungen beim Amazonasfonds) - Tommy Piemonte (Leiter Nachhaltigkeitsresearch, BKC) - Fernanda Milne-Jones Náder Garavini (Leiterin der Abteilung Amazonas-Fondsmanagement) - Dr. Richard Böger (Vorstandsvorsitzender der BKC)

Insgesamt war dieser Engagement-Dialog für uns ertragreich, da wir nunmehr darum wissen, dass der Amazonasfonds Möglichkeiten hat, solche Projekte zu fördern, die sich mit unseren Engagement-Forderungen decken. Darüber hinaus ist es gelungen, unsere Perspektive und Engagement-Forderungen zu platzieren, welche nun auf politischer Ebene an den Lenkungsausschuss des Amazonasfonds herangetragen werden können. Letztgenannter Punkt werden wir bei unserem nun startenden Engagement weiterverfolgen und den geschaffenen Dialogkanal mit der BNDES ausbauen.

Engagement-Auftakt vor Ort in Brasilien (1/9)

Als Bank für Kirche und Caritas (BKC) haben wir im März 2021 eine katholische Investoren-Allianz auf den Weg gebracht, um uns gegenüber der brasilianischen Regierung und brasilianischen Entscheidungsträgern für einen erhöhten Schutz des Amazonas-Regenwaldes und der dort lebenden indigenen und traditionellen Bevölkerung einzusetzen. Dieses weltweit erste katholische
Investoren-Engagement solch einer Größenordnung wurde im September 2023 mit der Erfüllung unserer aufgestellten Engagement-Forderungen erfolgreich beendet. Über diese Engagement-Aktivität haben wir einen umfassenden Abschlussbericht erstellt, der national wie international Beachtung gefunden hat.

Jedoch halten wir es für angezeigt daran eine Engagement-Aktivität anzuknüpfen. Sie fokussiert sich speziell auf die Problemstellung des illegalen Goldbergbaus in Brasilien sowie allgemein auf eine verstärkte Sorgfaltsprüfung und Rückverfolgbarkeit bei Gold. Wir sehen hierin einen Hebel zum einen für einen stärkeren Schutz des Amazonas-Regenwaldes und zum anderen für eine Verringerung der mit dem Goldbergbau teilweise einhergehenden, verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt auch über Brasilien hinaus.

Zum Auftakt dieser nun startenden Engagement-Aktivität sind Dr. Richard Böger, Vorstandsvorsitzender der BKC, und Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch, Ende Februar nach Brasilien gereist. Während der einwöchigen Engagement-Dialogreise haben sie insgesamt in über 15 Meetings intensive Gespräche mit hochrangigen brasilianischen Entscheidungsträgern und verschiedenen Stakeholdern, wie beispielsweise Gemeindevertretern, die direkt vom Goldbergbau betroffen sind und katholischen Organisationen, die unmittelbar mit der traditionellen und indigenen Bevölkerung zusammenarbeiten, geführt.

Kommen Sie mit auf diese Engagement-Dialogreise. Nachfolgend erfahren Sie aus erster Hand mehr über die geführten Dialoge, die Herausforderungen, die sich aus dem Goldbergbau vor Ort ergeben, und die von der BKC aufgestellten Engagement-Forderungen und -Aktivitäten.