Generalversammlung 2017

2016 war kein leichtes Jahr für die Finanzbranche. Trotz großer Belastungen hat sich die Bank für Kirche und Caritas im Geschäftsjahr 2016 zufriedenstellend entwickelt. Vorstandsvorsitzender Dr. Richard Böger präsentierte in der Generalversammlung am 19. Juni 2017 vor rund 240 Mitgliedern und Gästen die aktuellen Zahlen. In seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender führte Dr. Georg Rüter durch die Versammlung, die im Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum stattfand.

Unsere Bilanzsumme stieg um 2,2 % auf 4,6 Mrd. Euro, während wir bei unseren Kundeneinlagen einen Rückgang um 2,3 % auf 4 Mrd. Euro verzeichneten. Das Kreditgeschäft erhöhte sich um 11,5 % auf 1 Mrd. Euro. Der Jahresabschluss und die Verwendung des Jahresüberschusses wurden einstimmig von der Generalversammlung angenommen. Neu in das Gremium des Aufsichtsrats wurde Schwester Angelika Hellbach, Provinzprokuratorin der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut, Paderborn, gewählt.

Gastbeitrag der Demografie-Expertin Ruth Müller zu Flucht und Migration

Wie die demografischen Veränderungen die Entwicklung in Afrika und im Nahen Osten beeinflussen und was das für Europa bedeutet, war Inhalt des Vortrags von Ruth Müller, Ressortleiterin Internationale Demografie beim Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Seit 2006 nimmt die Zahl der Asylbewerber in Deutschland deutlich zu. Das ist für Ruth Müller nicht verwunderlich, denn viele Länder Afrikas und des Nahen Ostens zählen zu den derzeit instabilsten Ländern der Welt. Sie sind Schauplätze von tiefen politischen Krisen, Konflikten und Kriegen.

„Die prekäre Lage ist nicht zuletzt das Ergebnis demografischer Veränderungen. Ein hohes Bevölkerungswachstum bedeutet immer größer werdende Jahrgänge, die für ihre Bildung und Gesundheit eine angemessene Infrastruktur und später vor allem Arbeitsplätze benötigen. All dies ist in wenig entwickelten Ländern schwer zu gewährleisten“, so Frau Müller. Während in anderen Weltregionen eine wachsende Bevölkerung im Erwerbsalter sowie bessere Bildung für wirtschaftlichen Aufschwung sorgen, funktioniere dieses in den Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens, der sogenannten Mena-Region, nicht.

Es gelinge kaum, die wachsende Zahl an besser Ausgebildeten in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Der Region fehle es an einem praxisnahen Bildungssystem und an Unternehmen, die ausreichend Arbeitsplätze schaffen könnten. Zudem blieben viele Frauen trotz hoher Qualifikation ohne Beschäftigung. Die Kernbotschaft der Demografie-Expertin lautet: Gelingt es nicht, diesen Menschen eine Perspektive zu bieten, Unternehmertum zu fördern und das Bevölkerungswachstum in dieser Region zu verringern, dürften zukünftig immer mehr Menschen versuchen, in Europa ein besseres Leben zu finden.