15. Oktober 2018

Dr. Richard Böger, Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Caritas, nimmt Stellung zur Zinspolitik der EZB und der Zinsentwicklung bei der BKC.

Immer wieder wird die Europäische Zentralbank (EZB) aufgefordert, ihre Null- und Minuszinspolitik zu beenden und die Zinsen im Interesse der Sparer wieder anzuheben. Werden wir im nächsten Jahr diese Zinswende erleben?

Dr. Richard Böger:

Bei allen Nebenwirkungen der EZB-Politik muss insgesamt festgestellt werden, dass sie sehr erfolgreich war und Europa zurück auf Wachstumskurs gebracht hat. Auch auf Deutschland hat sich diese Zinspolitik deutlich positiv ausgewirkt. Neben höherer und stabilerer Beschäftigung haben vor allem die Unternehmen und der Staat und damit wir alle profitiert. Ohne niedrige Zinsen würde der Staat in Deutschland keine Überschüsse erwirtschaften.

Um diese Vorteile nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen, ist die EZB gut beraten, wenn sie den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik nur sehr langsam vornimmt. Ich rechne deshalb in 2019 noch nicht mit einem Anstieg der Leitzinsen auf über null Prozent. Allenfalls könnten die Strafzinsen für Banken von minus 0,40 Prozent auf minus 0,20 Prozent gesenkt werden.

Wird die Bank für Kirche und Caritas ihre Zusage verlängern, keine Negativzinsen einzuführen?

Dr. Richard Böger:

Schon im Jahr 2016 und 2017 haben wir die Negativzinsen, die uns bei der Anlage unserer Überschussliquidität in Rechnung gestellt werden, nicht an unsere Kunden weitergegeben.

Vorstand und Aufsichtsrat haben sich aktuell intensiv mit unserer Situation auseinandergesetzt. Wir freuen uns, dass wir aufgrund unserer guten Ertragslage die Zusage um ein weiteres Jahr garantieren können und bis Ende 2019 keine Negativzinsen für unsere Privatkunden und kirchlich-caritativen Einrichtungen einführen.

Aufgrund unserer langfristig orientierten Anlagepolitik geht unser Zinsüberschuss nicht so stark zurück wie bei anderen Banken. Gleichzeitig führt unser niedriges Kostenniveau dazu, dass auch ein geringerer Zinsüberschuss tragbar ist. Zukünftige Entscheidungen werden wir von der dann geltenden Zinssituation abhängig machen. Wie lange wir unsere jetzige Politik fortsetzen, hängt von der Perspektive unserer Ertragslage ab und wird jedes Jahr neu entschieden.

Überdies profitieren unsere Kunden davon, dass wir keine Gebühren für die Kontoführung berechnen.

Für Anleger wird es immer schwieriger, ihr Geld erfolgreich anzulegen. Welche Ratschläge geben Sie den Kunden?

Dr. Richard Böger:

Anhaltend niedriges Zinsniveau unterhalb der Inflationsrate, Aktienmärkte, die möglicherweise kurz vor einer deutlichen Korrektur stehen und eine sich abkühlende Weltkonjunktur sorgen für Verunsicherungen bei Kapitalanlegern. Gerade in dieser Situation ist es umso wichtiger, langfristig und besonnen zu agieren und sich nicht von den täglichen Nachrichten zur Wirtschaftspolitik beeinflussen zu lassen.

Für Kunden mit langfristigem Zielkorridor sind beispielsweise die nachhaltigen BKC-Fonds eine attraktive Anlagealternative, um neue Renditechancen unter Beachtung von Marktrisiken zu erzielen. Unsere hauseigenen Fondsmanager setzen bei der Einzeltitelauswahl strenge Bewertungsmaßstäbe, legen Wert auf eine kontinuierliche Ausschüttung und eine geringe Kostenbelastung.

Wir empfehlen unseren Kunden zu überprüfen, welcher Anteil ihres Vermögens sich für eine längerfristige Anlage eignet. Unsere Beraterinnen und Berater stellen gern passgenaue Anlagemöglichkeiten vor und erarbeiten unter Berücksichtigung des individuellen Anlagehorizonts und Risikoprofils einen nachhaltigen Vermögensaufbau.