Bis Ende 2018 keine Negativzinsen bei der BKC

Interview mit Herrn Dr. Richard Böger, Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Caritas

20. Oktober 2017

Seit März 2016 liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) bei 0 Prozent und der Einlagenzinssatz für Banken bei minus 0,4 Prozent. In Deutschland wird immer wieder der Ausstieg der EZB aus der ultralockeren Geldpolitik verlangt. Was denken Sie, Herr Dr. Böger, wird der Leitzins in absehbarer Zeit wieder steigen?

Dr. Richard Böger:
Bevor die EZB die Zinsen anhebt, wird sie vorher ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren beenden. EZB-Präsident Draghi hat immer wieder erklärt, dass die Zinsen weit über das Ende der Ankaufprogramme auf dem jetzigen Niveau bleiben werden. Am 26. Oktober 2017 findet die nächste mit Spannung erwartete Sitzung des EZB-Zentralbankrates statt. Dann wird die EZB voraussichtlich ihre Entscheidung zum Ankaufprogramm in 2018 bekannt geben. Alle Beobachter gehen davon aus, dass die EZB die Ankaufsumme pro Monat reduzieren, aber frühestens Ende 2018 beenden wird. Danach rechne ich für mindestens eineinhalb Jahren mit keiner Zinsänderung.

Wie wirkt sich die Zinspolitik auf die Banken aus?

Dr. Richard Böger:
Für die Realwirtschaft in Deutschland und in Europa sind die niedrigen Zinsen gut. Der Staat hat weniger Zinsausgaben und die Unternehmen müssen weniger für ihr Fremdkapital bezahlen. Der breite Aufschwung in Europa wird tatsächlich durch die EZB-Politik stark gefördert.
Für die Banken ist die Situation allerdings sehr schwierig. Können wir als Banken unsere Kundeneinlagen nicht vollständig in Kundenkredite transformieren oder in Wertpapieren anlegen, müssen wir unsere Überschussliquidität bei der EZB anlegen. Hierfür erhalten Banken keine Erträge, sondern müssen 0,40 Prozent bezahlen. Die Annahme von Kundeneinlagen zu positiven Zinssätzen ist somit für jede Bank zunächst erst einmal ein Minusgeschäft.

Gibt es bei der BKC Planungen zur Einführung von Negativzinsen?

Dr. Richard Böger:
Wir als Bank für Kirche und Caritas eG nehmen unseren Förderauftrag sehr ernst. Wir hatten deshalb schon im September 2016 entschieden, unsere noch gute Ertragslage zu nutzen und die Minuszinsen nicht an unsere Kunden aus Kirche und Caritas weiterzugeben.
Vorstand und Aufsichtsrat haben sich intensiv mit unserer Situation auseinandergesetzt und im letzten Monat entschieden, unsere Zusage um ein Jahr zu verlängern und bis Ende 2018 keine Negativzinsen einzuführen.
Wir freuen uns, dass wir unsere Zusage damit um ein weiteres Jahr garantieren können. Zukünftige Entscheidungen werden wir von der dann geltenden Zinssituation abhängig machen. Aufgrund unserer langfristig orientierten Anlagepolitik geht unser Zinsüberschuss nicht so stark zurück wie bei anderen Banken. Gleichzeitig führt unser niedriges Kostenniveau dazu, dass auch ein geringerer Zinsüberschuss tragbar ist. Wie lange wir unsere jetzige Politik fortsetzen, können wir derzeit nicht sagen. Dies hängt von der Perspektive unserer Ertragslage ab und wird jedes Jahr neu entschieden.

Was können unsere Kunden tun, um die Belastungen durch die niedrigen Zinsen zu reduzieren?

Dr. Richard Böger:
In unseren Beratungen stellen wir immer wieder fest, dass die Cashquote unserer Kunden sehr hoch bzw. zu hoch ist. Für Kunden mit langfristigem Zielkorridor kann beispielsweise eine Investition in Aktien eine attraktive Anlagealternative sein, um neue Renditechancen unter Beachtung von Marktrisiken zu erzielen. So konnte unser Mischfonds BKC Treuhand Portfolio in den letzten drei Jahren eine durchschnittliche Ausschüttungsrendite von 2,78 Prozent erzielen. Wir empfehlen unseren Kunden zu überprüfen, welcher Anteil ihres Vermögens sich für eine längerfristige Anlage eignet. Unsere Beraterinnen und Berater stellen gern passgenaue Anlagemöglichkeiten vor und erarbeiten unter Berücksichtigung des individuellen Anlagehorizonts und Risikoprofils einen nachhaltigen Vermögensaufbau.