Anlagealternativen in Zeiten niedriger Zinsen

Holger Freitag, Abteilungsleiter Vermögensberatung Privatkunden, nimmt Stellung.

19. April 2018

Die zunehmende Komplexität an den Finanzmärkten und das anhaltende Niedrigzinsumfeld sorgen für erhöhten Handlungsbedarf bei der Strukturierung des Kapitals. Holger Freitag, Abteilungsleiter Vermögensberatung Privatkunden, gibt Antworten auf Fragen, die beim täglichen Beratungsgespräch im Mittelpunkt stehen.

Herr Freitag, die aktuelle konjunkturelle Lage wurde im Kapitalmarktbericht April 2018 ausführlich beschrieben. Für die Kunden der BKC stellt sich im aktuellen Umfeld mehr und mehr die Frage, welche Anlagealternativen heute noch interessante Perspektiven bieten. Wie ist Ihre Antwort?

Zunächst möchte ich unterstreichen, dass sich aus heutiger Sicht zwar die Rahmendaten etwas eingetrübt haben, jedoch die konjunkturellen Aussichten weiterhin als stabil betrachtet werden können. In der Eurozone rechnen wir mit einem Wirtschaftswachstum von rund 2 Prozent im Jahr 2018 und 2019, in den USA von rund 2,5 Prozent. Entscheidender für Anleger ist jedoch, welche Zinsentwicklung sich in den nächsten Jahren einstellen wird. Wann es zur erhofften Zinswende kommt ist nach wie vor unklar. Wir haben in den letzten 18 Monaten immer mal wieder steigende Tendenzen vollzogen, die jedoch regelmäßig nicht nachhaltig waren.

Sie haben in Ihrem Vortrag beim Kapitalmarktforum 2016 deutlich gemacht, wie viel Geld Anleger verlieren, wenn Kapital über viele Jahre auf Tagesgeld- oder Sparkonten geparkt wird. Hat sich hier eine Verbesserung für die Anleger ergeben?

Nein, ganz im Gegenteil. Der sogenannte Realzins ist deutlich schlechter als Ende 2016. Dies liegt daran, dass die Inflation stärker gestiegen ist als die Zinsen. Aktuell verliert der Anleger, der derzeit 0,1 Prozent  Zinsen auf Spareinlagen bei der BKC vergütet bekommt, ca. 1,6 Prozent pro Jahr. Denn das Inflationsniveau hat sich von ca. 0,6 Prozent auf ein Niveau von ca. 1,7 Prozent entwickelt. Somit verliert ein Anleger, der 100.000 Euro auf dem Sparkonto parkt, rein rechnerisch ca. 8.000 Euro in fünf Jahren.

8.000 Euro rechnerischer Wertverlust bei 100.000 Euro geparktem Geld ist viel. Welche Empfehlungen geben Sie, um Ihre Anleger davor zu bewahren?

Wir empfehlen seit vielen Jahren Anlageprodukte, die zum einen langfristigen Charakter haben und zum anderen unter dem Kostengesichtspunkt für unsere Kunden als attraktiv eingestuft werden. Ein ständiges Hin und Her, was für Kunden hohe Kosten verursacht, unterstützen wir nicht. Anlageklassen, die wir neben unseren breit aufgestellten vermögensverwaltenden Lösungen regelmäßig empfehlen, sind Immobilienfonds, das Thema Mikrofinanz und zur selektiven Beimischung reine Aktienfonds. Ebenfalls kommen mit den leicht gestiegenen Zinsen auch Anleihen wieder in unseren Fokus. So können wir bei 5-jährigen Laufzeiten immerhin wieder rund 0,5 Prozent Rendite bei sicheren Anleihen unserer Zentralbank anbieten.

Offene Immobilienfonds werden heute zunehmend als zu risikobehaftet eingestuft, weil Immobilienpreise immens gestiegen sind. Erläutern Sie bitte die Hintergründe für Ihre Empfehlung dieser Anlageklasse und geben Sie eine Einschätzung zu dem Markt der Mikrofinanzfonds?

Die Immobilienfonds unseres Partners Union Investment sind mittlerweile über 50 Jahre am Markt. Wir können also von einem erfahrenen Anbieter sprechen. In nur einem einzigen Jahr hat einer der drei großen Fonds nach dem dramatischen Zwischenfall in Fukushima einen kleinen Jahresverlust hinnehmen müssen. In allen anderen Zeiträumen haben die Fonds dieses Anlagesegments positive Entwicklungen genommen, egal welche Krise es seit Ende der 1960er Jahre gegeben hat. Darüber hinaus empfehlen wir einen Mikrofinanzfonds, der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern dabei hilft, Existenzen aufzubauen. Natürlich wissen wir, dass sich Mikrofinanzfonds immer größerer Beliebtheit erfreuen. Der Fonds von Invest In Visions, welchen wir seit ca. drei Jahren empfehlen, hat sein Fondsvolumen auch von 100 Mio. EUR auf über 500 Mio. EUR vergrößert. Trotzdem sind wir von der Art der Anlage überzeugt, auch wenn das Geldangebot immer größer und die Suche nach dem richtigen Kreditnehmer immer schwieriger wird.

Wie haben sich die Produkte in den von Ihnen genannten Anlageklassen in den letzten Jahren entwickelt?

In dem vorgenannten gleichgewichteten Anlagemix, dem eine Aktienquote von rund 30 Prozent unterstellt wird, konnte der Anleger in den letzten drei Jahren eine Wertentwicklung oberhalb der Inflationsrate erzielen.

Aber es lohnt sich immer noch einzusteigen?

Das hängt, wie immer im Anlagegeschäft, von der persönlichen Situation ab. Für einen Einstieg in Aktien bieten wir über Sparpläne ein ideales Medium, um bereits mit monatlichen Beträgen ab 25 Euro anzusparen. Welche Einmalanlagen in der individuellen Situation des Anlegers aktuell empfehlenswert sind, erläutern unsere Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer gern in einem persönlichen Gespräch. Gemeinsam erarbeiten wir eine geeignete Anlagestruktur, die wie immer bei der Bank für Kirche und Caritas, unter Kosten- und Nachhaltigkeitsgesichtspunkten bewertet und optimiert wird.