BKC kritisiert Waffen- und Rüstungsexporte in Drittländer vor dem italienischen Abgeordnetenhaus in Rom

Engagement-Richtlinie für Eigenanlagen veröffentlicht

Die Bank für Kirche und Caritas (BKC) hat sich am 1. März mit einem Redebeitrag auf einer Roundtable-Veranstaltung im italienischen Abgeordnetenhaus (Camera dei Deputati) als Expertin für ethisch-nachhaltige Geldanlagen in die Diskussion über „Produktion und Handel mit Waffen: Unsere Verantwortung“ eingebracht. Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch bei der Bank für Kirche und Caritas, erläuterte den zahlreichen anwesenden Parlamentariern, Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche sowie Teilnehmern aus der Zivilgesellschaft und der Rüstungsindustrie, dass Investoren mit ihren Anlageentscheidungen konkrete Verantwortung für dieses ethisch brisante Thema tragen. Er unterstrich in seinen Ausführungen, dass sich Investoren bewusst sein müssen, dass sie mit dem Kauf von Aktien und Anleihen von Rüstungsunternehmen immer auch die Produktion und den Export von Rüstungsgütern teilweise in Konfliktstaaten finanzieren. Dem können sie nur entgegenwirken, indem sie solche Investitionen bewusst einschränken oder sogar gänzlich aus ihrem Portfolio ausschließen.

Die hochkarätigen Roundtable-Teilnehmer, zu denen der Staatssekretär des italienischen Außenministeriums Manlio Di Stefano, die italienische Europaparlamentarierin Elly Schlein und der Erzbischof von Altamura-Gravina-Acquaviva delle Fonti, Giovanni Ricchiuti, zählte, äußerten sich mit teilweise sehr wortgewaltigen Redebeiträgen zur Verantwortung bei der Produktion und beim Export von Waffen. Hieraus entzündete sich eine hitzig geführte Debatte, in der die anwesenden kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen auf grundsätzliche ethische Standpunkte zur Rüstungsproduktion verwiesen, während Vertreter der Rüstungsindustrie und einige Politiker dagegen hielten, dass die nationale Rüstungsindustrie für europäische Verteidigungsinteressen notwendig sei. Für die Nichtregierungsorganisationen erweist sich dieses Argument allerdings als schwach, da nachweislich ein überwältigend hoher Umsatzanteil der europäischen Rüstungskonzerne mit Waffenexporten in Staaten außerhalb der europäischen Union erzielt wird. Überdies sei sogar die Wirtschaftlichkeit einiger Rüstungsprojekte maßgeblich von der Exportquote abhängig, wie das aktuelle Beispiel des Airbus-Militärtransporters A400M zu zeigen scheint.

Die Bank für Kirche und Caritas verfolgt seit über eineinhalb Jahrzehnten eine ethisch-nachhaltige Anlagestrategie, in der sie Investitionen in Rüstungsunternehmen ausschließt. Inzwischen bringt sich die Kirchenbank darüber hinaus als aktiver katholischer Investor auf dem Finanzmarkt ein, indem sie als Anleger Einfluss auf Unternehmen zu konkreten Nachhaltigkeitsthemen ausübt – durch das so genannte „Engagement“. Tommy Piemonte erklärte das Vorgehen der Kirchenbank im italienischen Abgeordnetenhaus anschaulich anhand eines konkreten Beispiels. Als Mitglied des europäischen Engagement-Netzwerks „Shareholders for Change“ (SfC) hat sie den deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall letztes Jahr auf seiner Hauptversammlung dafür kritisiert, dass er Bomben an Saudi-Arabien über das italienische Tochterunternehmen RWM Italia SpA exportiert. Im aktuell wütenden Jemenkrieg werden diese von Rheinmetall produzierten Bomben von Saudi-Arabien auch gegen die dortige Zivilbevölkerung eingesetzt.

„Die Bereitschaft, aktiv Einfluss auf Unternehmen auszuüben, ergibt sich aus unserer christlichen Wertorientierung“, führte Tommy Piemonte aus. „Dabei ist uns bewusst, dass ein Rüstungsunternehmen nicht seine Waffenproduktion einstellt, nur weil wir es darum bitten. Allerdings können wir die Unternehmensführung und die Aktionäre des Unternehmens für Reputationsrisiken, rechtliche Risiken und daraus erwachsene finanzielle Risiken sensibilisieren. Dadurch bauen wir Druck auf und bringen Unternehmen unter Rechtfertigungszwang, warum sie kontroverse Waffen wie Streumunition herstellen oder Waffen in Staaten exportieren, die die Menschenrechte nicht achten.“ Unternehmensdialoge sind in jeder Phase des Anlageprozesses für die BKC möglich und beschränken sich nicht nur auf das ethisch-nachhaltige Anlageportfolio, was einem innovativen Engagement-Ansatz entspricht. „Wir können dadurch auch mit Unternehmen in einen aktiven Dialog treten, wenn sie gegen unsere Ausschlusskriterien verstoßen und damit für uns nicht investierbar sind. Der Fall Rheinmetall zeigt, dass wir auch solche Unternehmen motivieren wollen, grundlegende Menschenrechtsaspekte in ihren Geschäftsentscheidungen zu berücksichtigen und sich in Richtung mehr Nachhaltigkeit zu verändern“, ergänzte der Leiter Nachhaltigkeitsresearch. Der Kirchenbanker wies die Teilnehmer darauf hin, dass der Handlungsdruck auf ein Unternehmen umso größer wird, je mehr Investoren eine ethisch-nachhaltige Anlagestrategie verfolgen und selbst Engagement betreiben.  

Die Bank für Kirche und Caritas hat nun ihre eigene Engagement-Richtlinie veröffentlicht, um zum einen transparent ihr Vorgehen zu erläutern und zum anderen auch weitere Investoren mit dem nötigen Prozesswerkzeug für ein effektives Engagement auszustatten. In der Richtlinie wird detailliert beschrieben, welche Anforderungen und Prozessschritte von der Planung eines Unternehmensdialogs über die Durchführung bis hin zur Erfolgsmessung und Berichterstattung bei der BKC durchlaufen werden müssen. „In den letzten Jahren geben immer mehr institutionelle Investoren und Vermögensverwalter an, Nachhaltigkeitsaspekte in Unternehmensdialogen einzubringen. Die aktive Einflussnahme als Investor bedarf jedoch einer nachvollziehbaren Struktur und klarer Prozessschritte sowie einer Überwachung der einzelnen Engagement-Aktivitäten, um erfolgreich zu sein. Damit eine tatsächliche Nachhaltigkeitsverbesserung im Unternehmen erzielt werden kann, ist es notwendig, dass es nicht nur bei einer „netten“ Unterredung mit einem Unternehmen bleibt, sondern ein zeitlicher Fahrplan mit aufeinander aufbauenden Eskalationsstufen eingehalten wird. Und genau hierfür braucht es eine klar formulierte Richtlinie, die wir nun veröffentlichen, um nicht zuletzt das Thema auf dem Finanzmarkt weiter voranzutreiben,“ führte Tommy Piemonte abschließend aus.