Ethisch-nachhaltige Geldanlagen

in der kirchlichen Sozialverkündigung

Die evangelische und katholische Kirche haben sich erstmals 1997 der Nachhaltigkeitsthematik in ihrem gemeinsamen Wort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ angenommen.

In dem Kapitel über die grundlegenden ethischen Perspektiven wird Nachhaltigkeit als ein zentraler Grundwert aufgeführt. Die Zielperspektive Nachhaltigkeit schließt aus kirchlicher Sicht besonders die Verantwortung für die ganzheitliche Bewahrung und Gestaltung der Schöpfung ein.

Ziel muss es aus kirchlicher Sicht sein, mehr als bisher das Bewusstsein für eine Vernetzung ökonomischer, sozialer und ökologischer Problemkreise zu wecken. Das Nachhaltigkeitsprinzip wird von den Kirchen heute als Ausdruck christlicher Verantwortung für weltweite, gegenwärtige wie zukünftige Generationen umfassende Gerechtigkeit gedeutet.

Bewahrung der Schöpfung

Mit Hilfe des Nachhaltigkeitsgedankens gelingt es, die theologische Schöpfungskategorie auf Zukunft hin zu schärfen. Dem Schöpfungsauftrag aus dem Buch Genesis zufolge hat der Mensch die Erde zu bebauen und zu behüten (Gen 2,15). Es geht demnach also nicht nur um die Bewahrung, sprich Konservierung, eines vorgefundenen Schöpfungszustands, sondern genauso und wesentlich um die Kultivierung der Schöpfung. Das heißt, die aktive Gestaltung der Erde liegt in der Hand des Menschen. Er ist von Gott als Verwalter der Erde eingesetzt und soll für Entwicklung und Erhalt sorgen, ohne dabei die Schöpfung in ihrer Gesamtheit aus dem Blick zu verlieren.

Eine verantwortungsvollere Finanzwirtschaft als kirchlicher Auftrag

In der Enzyklika „Caritas in Veritate“ geht Papst Benedikt XVI. 2009 konkret auf das Finanzwesen ein. Die Umformung der gesamten Finanzwelt anhand klarer ethischer Werte sei notwendig. Der Mensch als Abbild Gottes (Gen 1,27) müsse dabei im Mittelpunkt stehen, damit die Bezeichnung „ethisch“ nicht zu einem bloßen Etikett werde. Letztlich sei es notwendig, dass nicht nur spezielle ethische Anlageformen geschaffen würden, sondern das gesamte Finanzsystem reformiert würde (CiV 45).

Ebenso betonen die Deutsche Bischofskonferenz in ihrem Expertenpapier „Mit Geldanlagen die Welt verändern?“ und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in seiner Handreichung „Ethisches Investment“ die Bedeutung ethisch-nachhaltiger Geldanlagen für die christliche Nachfolge. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist somit zu einem globalen Thema der Kirche geworden, das an den Türen der Finanzverantwortlichen in kirchlichen und caritativen Einrichtungen nicht Halt macht.