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Rendite mit sozialem Engagement verbinden

Interview mit Edda Schröder, Geschäftsführerin Invest in Visions GmbH

 

Invest in Visions GmbH, gegründet von Edda Schröder im Jahr 2006, gehört zu den Wegbereitern von Mikrofinanzanlagen in Deutschland. Im Jahr 2011 wurde mit der Auflegung des IIV Mikrofinanzfonds als erstem Fonds dieser Anlageklasse in Deutschland für private und institutionelle Anleger ein wichtiger Meilenstein erreicht.

Vera Audi, Bank für Kirche und Caritas, sprach mit Edda Schröder über die Auswirkungen der Corona-Pandemie und weiteren Entwicklungen und Planungen im Fondsmanagement.

Frau Schröder, Sie hatten als Geschäftsführerin einer britischen Privatbank einen lukrativen Job in der Frankfurter Bankenwelt, der viel Sicherheit bot. Was hat Sie bewogen, sich Mitte der 2000er Jahre selbständig zu machen? Erklären Sie doch bitte unseren Anlegern kurz das Prinzip des IIV Mikrofinanzfonds und Ihre Vision!

Edda Schröder:

Ich hatte als Investmentbankerin schon lange vor Gründung der Invest in Visions GmbH im Jahr 2006 die Vision, Kapitalanlage und Entwicklungshilfe miteinander zu verbinden. Mich fasziniert die Idee, institutionellen und privaten Anlegern den Zugang zu Impact Investments zu ermöglichen, also Anlagen, die neben finanziellen Erträgen auch eine soziale Rendite bieten. Die GmbH war schnell gegründet, aber bis zur Auflegung des IIV Mikrofinanzfonds als ersten Fonds dieser Anlageklasse in Deutschland wurden uns einige Stolpersteine in den Weg gelegt.

Unsere Grundidee: Der IIV Mikrofinanzfonds vergibt das von den Anlegern investierte Kapital als unverbriefte Darlehensforderungen an ausgewählte Mikrofinanzinstitute (MFIs) in Schwellen- und Entwicklungsländer. Die durchschnittliche Darlehenshöhe beträgt rund 3,9 Millionen Euro mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 19 Monaten (Stand: Oktober 2019). Die Institute verleihen das aufgenommene Kapital wiederum an Kleinstunternehmer/innen sowie kleine und mittlere Unternehmen. Dies ist oft der einzige Weg in diesen Ländern für diese Menschen, um überhaupt Zugang zu Finanzdienstleistungen zu erhalten. Weil Mikrokredite für viele Menschen eine einmalige Chance sind, sich aus der Armut zu befreien, ist die Rückzahlungsmoral für gewöhnlich sehr gut. Typische Kreditnehmer sind beispielsweise Gemüsehändler/innen, Schneider/innen, Viehzüchter/innen und Handwerker/innen, die durch die Kredite das Saatgut, Werkzeuge, Materialien oder andere Rohstoffe kaufen oder finanzielle Engpässe, beispielsweise durch Dürreperioden, überbrücken müssen. Die Mikrofinanzinstitute zahlen die Darlehen schließlich inklusive Zinszahlungen an den IIV Mikrofinanzfonds zurück und die Anleger erhalten über den Fonds eine moderate stetige Rendite.

Wir erreichen aktuell ca. 468.000 Menschen (55 % Frauen und 45 % Männer) mit einer durchschnittlichen Darlehenshöhe von 1.129 US-Dollar. Nach durchschnittlich 9–12 Monaten werden die Mikrokredite der Endkreditnehmer getilgt. Derzeit ist der Fonds mit einem Fondsvolumen von 747,86 Mio. Euro (Stand: Juli 2020) in 31 Ländern weltweit mit über 84 MFIs aktiv. Private Anleger können schon ab 100,- EUR (R-Klasse) investieren; institutionelle Investoren ab 30.000,- EUR in der I-Klasse.

Laut Aussage der Weltbank hat die Corona-Pandemie den Fortschritt der Armutsbekämpfung fast zunichte gemacht. Wie und in welchem Umfang haben Sie im Fonds die Auswirkungen der Corona-Pandemie gespürt?
Azur Tučić, Betreiber einer Legehennenzucht in Tuzla (Quelle: Mikrofinanzinstitut EKI )

Edda Schröder:

In den Schwellen- und Entwicklungsländern sind die Maßnahmen gegen die Eindämmung der Corona-Pandemie ähnlich gewesen wie bei uns hier in Deutschland:  Es gab genauso Lockdowns und Quarantäne-Situationen, meist sehr strikt und konsequent umgesetzt. Viele Länder wie beispielsweise die Mongolei haben bereits im Februar 2020 mit umfangreichen Maßnahmen reagiert. Auch bei unseren Mikrofinanzinstituten wurden Filialen geschlossen: wo es möglich war, wurde im Homeoffice gearbeitet. Die Geschäftstätigkeit und Auftragslage in den Schwellenländern ist in den ersten Monaten der Pandemie stark zurückgegangen. Dies führte zu einer höheren Arbeitslosenquote. In einzelnen Ländern, die stark exportabhängig sind, wie z. B. Ecuador, kam noch der Verfall des Ölpreises erschwerend hinzu. Erfreulicherweise haben die Regierungen und Notenbanken in der Anfangsphase der Pandemie schnell reagiert und Moratorien gewährt. Das bedeutet, dass die Rückzahlung von Krediten den Darlehensnehmern gestundet wurde, um einer Zahlungsunfähigkeit der Kleinst-Kreditnehmer entgegenzuwirken. Die Stundungen wurden im März bzw. April 2020 meist für 3-6 Monate ausgesprochen. Die Nachfrage nach neuen Krediten war zudem in den Monaten des Lockdowns rückläufig. Hierdurch und durch die Tilgungsaussetzungen gab es nun fehlende Liquidität bei den MFIs. Bei vielen Ländern wurde das Rating abgewertet: hier wurde im Fonds mit Rückstellungen gegengesteuert. All dies führte zu einer schlechteren Performance im April dieses Jahres. Wir freuen uns aber, dass sich in den meisten investierten Ländern seit Juni die Geschäftstätigkeit wieder deutlich verbessert hat. Auch die Tilgung der Darlehen funktioniert wieder. Durch den starken US-Dollar haben wir geringere Währungsabsicherungskosten im Fonds. Das spiegelt sich auch in den Zahlen des Fonds wider, denn die Wertentwicklung unserer beiden Anlageklassen ist seit Mai wieder im positiven Bereich. Wir meinen, die durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie ausgelöste Talsohle überwunden zu haben - immer natürlich unter der Annahme, dass wir keine zweite oder dritte Pandemie-Welle bekommen.

Wo investiert der Fonds vorrangig? Welche Schwerpunkte setzen Sie in diesem Jahr? Vielen Dank für einen aktuellen Bericht aus den Ländern und kurzen Ausblick!
Saidova Dilorom, näht einheimische Frauenkleider in Tadschikistian (Quelle: Mikrofinanzinstitut OXUS)

Edda Schröder:

Am stärksten investieren wir aktuell in den Ländern Ecuador (9,76 %), Usbekistan (8,69 %), Mongolei (5,48 %), Kirgisistan (4,70 %) und Mexiko (4,64 %). Eine Quote von 15 % pro Land darf nicht überschritten werden.

Im Juli investierte der IIV Mikrofinanzfonds 7,5 Millionen Euro und 5,5 Millionen US-Dollar in unverbriefte Darlehensforderungen. Dadurch wurden im vergangenen Monat Mikrofinanzinstitute im Kosovo sowie in Bolivien, Tadschikistan und Usbekistan refinanziert.

In Südosteuropa ist ein starker Rückgang der Gastarbeitergelder zu verzeichnen, denn durch die Grenzschließungen während des Lockdowns konnten viele Gastarbeiter aus diesen Ländern ihre Arbeit in Westeuropa nicht aufnehmen. In Bosnien-Herzegowina haben wir im Juni an das dortige MFI EKI ein Darlehen über 3,85 Millionen Euro vergeben. In dem ehemaligen Bürgerkriegsland ist Korruption an der Tagesordnung, die wirtschaftlichen Chancen sind extrem ungleich verteilt. Mit fast 40 % Jugendarbeitslosigkeitsquote (eine der höchsten weltweit) sind viele Jugendliche gezwungen, das Land zu verlassen. Wir hoffen, durch diese Investition dazu beizutragen, den privaten Sektor zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen.

In Süd- bzw. Lateinamerika haben wir weiterhin einen Fokus auf Ecuador, das den Covid-19-Ausnahmezustand aktuell bis 13. September 2020 mit strikten Einschränkungen verlängert hat. Das Land leidet unter dem Verfall des Ölpreises und einer auch dadurch bedingten hohen Arbeitslosenquote. Besonders erfreulich ist es, dass staatliche Hilfen und Maßnahmen schnell umgesetzt wurden: So wurden z. B. 120 US-Dollar pro Haushalt an insgesamt 950.000 arme Familien verteilt sowie Kreditlinien von 50 Mio. US-Dollar an kleinere und mittlere Unternehmen vergeben.

Gerade Menschen in ärmeren Regionen reagieren auf Krisen flexibel. „Oft wird unterschätzt, wozu Menschen in Armut in der Lage sind“, so Schröder. Der Fonds hat in den letzten Monaten bei den vergebenen Krediten keinen Ausfall zu verzeichnen und ist durch neu gebildete Rückstellungen für Kreditausfälle und höhere Länderrisiken gut gerüstet.