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Nachhaltige Regulierung der Finanzmärkte

 

Am 19. September 2009 haben wir gemeinsam mit der Theologischen Fakultät Paderborn in deren Räumlichkeiten ein prominent besetztes Symposium zur zukünftigen Regulierung der Finanzmärkte durchgeführt.

Reformen des Finanzmarktes dringend notwendig


Dr. Richard Böger, Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Caritas, bekräftigte vor gut 50 Teilnehmern aus Wissenschaft, Politik und Kirche, dass es ein Jahr nach dem Höhepunkt der Finanzkrise das Gebot der Stunde sei, dringend notwendige Reformen des Finanzmarktes einzuleiten, um zukünftig ähnliche Krisenszenarien zu verhindern. Ein „Weiter so“, wie es sich derzeit anbahne, dürfe es nicht geben. Die interdisziplinäre Zusammensetzung der Referenten ermöglichte es, die Krise aus den Blickwinkeln wirtschaftlicher, politischer und sozialethischer Kompetenz zu beleuchten. Die äußerst lebhaften Diskussionsbeiträge sowie die hohe Konzentration, mit der die Teilnehmer die Vorträge verfolgten, zeigten, dass das Symposium in der Debatte über die zukünftige Gestaltung der Finanzmärkte wichtige Denkanstöße geliefert hat.
Zu der zentralen Forderung aller Referenten aus Politik, Wissenschaft und Praxis gehörte insbesondere die Regulierung der Bonus- und Gehaltssysteme. Zu hohe kurzfristig ausgerichtete Bonussysteme hätten zur Verschärfung der Finanzmarktkrise beigetragen. Die Regulierung der Bonussysteme gehöre zu den zentralen Aufgaben, die auf dem G20 Gipfel in Pittsburgh international einheitlich geregelt werden sollten.

Nach Prof. Dr. Günter Wilhelms, Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät und Mitveranstalter, hat die Krise einerseits „den Glauben an den Markt erschüttert“ und andererseits den Verlust an staatlicher Steuerungskraft offenkundig werden lassen. Aufgabe der Sozialethik sei es, auf eine beständige „Humanisierung des Marktes“ hinzudrängen. Vertieft wurden die sozialethischen Anfragen aus wirtschaftsethischer Sicht durch Prof. Dr. Bernhard Emunds, Leiter des Nell-Breuning-Instituts an der Phil.-Theolog. Hochschule Sankt Georgen. Er betonte, dass „das Ergebnis von Wirtschaft den Vorstellungen einer guten Gesellschaft entsprechen muss, wofür diese wiederum entsprechende Regeln aufzustellen hat.“ Gesellschaft sei immer mehr als Wirtschaft und habe daher die Aufgabe, die Wirtschaft im Sinne des Gemeinwohls zu lenken. Mit Blick auf die Finanz- und Wirtschaftskrise konstatierte Emunds, dass sowohl die Wirtschaftspolitik als auch die Finanzindustrie versagt habe.

Der politischen Perspektive nahm sich Otto Bernhardt, MdB und finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, an. Der Staat habe in der Krise gezeigt, dass er nach dem Zusammenbruch des Vertrauens an den Finanzmärkten als Einziger handlungsfähig geblieben sei. Diese gewachsene Bedeutung des Staates solle nun für eine klare Regulierung der Finanzmärkte genutzt werden. Leider sei zu beobachten, dass sich das Zeitfenster für Reformen bereits wieder zu schließen beginnt. Bernhardt forderte eine international lückenlose Überwachung von Finanzsystemen, eine grundlegende Veränderung der Vergütungssysteme sowie die Einschränkung von Verbriefungsmöglichkeiten in Finanzprodukten.
von links:
Prof. Dr. Bernhard Emunds, Leiter des Nell-Breuning-Instituts, Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen
Dr. Richard Böger, Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Caritas
Prof. Dr. Mathias Erlei, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Clausthal
Prof. Dr. Günter Wilhelms, Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät Paderborn
Otto Bernhardt, MdB , Finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht näherte sich Dr. Mathias Erlei, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Clausthal, dem Ruf nach wirksamen Lösungen aus der Krise. Er veranschaulichte anhand von Experimenten, dass vor allem Vermögensmärkte immer instabil seien und nicht zum Gleichgewicht neigen. Die noch vorherrschende Theorie der Markteffizienz gelte für die Finanzmärkte nicht.

Dr. Richard Böger, Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Caritas, betonte in seinem Vortrag, dass die vorherrschende Ideologie des Marktfundamentalismus an der Realität gescheitert sei. Der Glaube an die Selbstregulierungsfähigkeit von Finanzmärkten habe zu einer unzureichenden Aufsicht hierüber geführt. Die katholische Soziallehre sei besser als der anglo-amerikanische Marktfundamentalismus geeignet, vernünftige Maßstäbe für die Marktregulierung zu liefern. Aufgrund der Besonderheiten der Finanzmärkte sei der Staat Rückversicherer für alle Banken. Er habe deshalb das Recht, diesen strengere Auflagen zu machen, als dies bei anderen Branchen gerechtfertigt wäre. Auch Gehaltsobergrenzen sind nach der Auffassung Bögers ordnungspolitisch vertretbar.